Prognose: Abschaffung der EEG-Umlage entlastet Haushalte nur kurzfristig

Heidelberg. Die Abschaffung der EEG-Umlage soll Stromkunden in ganz Deutschland entlasten. Doch hohe Beschaffungskosten haben die Strompreise im Jahresvergleich bereits um 30 Prozent nach oben getrieben – mehr als die kommende Entlastung ausmacht. Kurzfristig profitieren Bestandskunden, mittel- bis langfristig wirkt das Umlagen-Aus aber allenfalls dämpfend auf die Preisentwicklung. Das zeigt eine Analyse von Verivox.

Drei-Personen-Haushalt wird um rund 177 Euro entlastet

Die EEG-Umlage liegt aktuell bei 4,4 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Sie wird zum 1. Juli abgeschafft. Auf Jahressicht ergibt sich daraus für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh eine Entlastung von rund 177 Euro (brutto). Ein Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh spart rund 66 Euro (brutto), größere Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh rund 266 Euro (brutto).

Versorger sind gesetzlich dazu verpflichtet, diese Senkung weiterzugeben, sie darf also nicht direkt mit höheren Beschaffungskosten verrechnet werden. „Vor allem Bestandskunden mit längeren Vertragslaufzeiten profitieren zunächst von der gesetzlich verpflichtenden Weitergabe. Sie werden durch die Abschaffung der EEG-Umlage in ihren bestehenden Verträgen kurzfristig entlastet. Doch mittel- bis langfristig wirkt das Aus der EEG-Umlage allenfalls preisdämpfend, denn die Strompreise befinden sich seit Herbst letzten Jahres im kontinuierlichen Aufwärtstrend“, so Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox. Strompreise um 30 Prozent gestiegen – Anstieg geht weiter

Im Jahresvergleich frisst der Anstieg der Strompreise den preisdämpfenden Effekt durch die Abschaffung der EEG-Umlage bereits jetzt auf: Zahlte eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden im Juni 2021 noch 1.197 Euro pro Jahr für Strom, sind es im Juni 2022 schon 1.587 Euro – ein Anstieg um 390 Euro (33 Prozent). Zudem haben für Juni, Juli und August bereits 153 örtliche Versorger Preiserhöhungen angekündigt – um durchschnittlich 19 Prozent. „Spätestens zum Jahreswechsel rechnen wir erneut mit flächendeckenden Strompreiserhöhungen für Millionen Haushalte,“ so Storck.

Der Grund: Die Einkaufspreise sind weiterhin auf hohem Niveau. An den Spotmärkten steht der Preis für eine Megawattstunde für das kommende Jahr aktuell bei rund 260 Euro. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel bewegt sich der Preis je Megawattstunde zwischen 35 und 55 Euro. EEG-Umlage: Knapp 3.600 Euro in 22 Jahren

Seit ihrer Einführung im Jahr 2000 hat die EEG-Umlage für einen Drei-Personen-Haushalt (4.000 kWh) zusammengerechnet Kosten in Höhe von 3.583 Euro (brutto) verursacht. Ein Single-Haushalt zahlte für den Ausbau der erneuerbaren Energien in 22 Jahren 1.344 Euro (brutto). Die Ausgaben für größere Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh beliefen sich unterm Strich auf 5.374 Euro (brutto).

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